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letzte Änderung 27.01.2014
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Warum wir Deutschen im Ausland so oder so oder anders heißen

Wer sich mit verschiedenen europäischen Sprachen beschäftigt, wird schnell feststellen, dass sich die Benennung für Deutschland, die Deutschen und die deutsche Sprache in anderen Sprachen sehr viel unterschiedlicher und vielfältiger gestaltet, als es bei unseren Nachbarländern und -sprachen der Fall ist. Frankreich und Französisch beispielsweise heißt zwar auch in jeder Sprache ein bisschen anders, doch kommt in den Bezeichnungen immer die Silbe 'frank-', 'franc-' oder 'frans-' vor - bestenfalls ein wenig stärker entfremdet zu 'prans-' oder 'french'. Die Benennung der Niederlande ("Holland") wiederum wurde entweder direkt entlehnt (Olanda, Holandia, Golandia u.ä.) oder aber das Wort Nederland (=tief gelegenes Land) wurde übersetzt, z.B. Pays-Bas (französisch) oder Nizozemsko (tschechisch). Ähnliches gilt für sämtliche Länder Europas; lediglich hier und da gibt es kleinere Ausnahmen, z.B die Tatsache. dass Finnland in der Landessprache Suomi heisst, in fast allen anderen Sprachen aber Finland, Finlandia, Finsko u.ä.

Ganz anders jedoch mit Deutschland, den Deutschen und der deutschen Sprache.
Für die einen sprechen wir "Germanisch" und sind die Germanen schlechthin (z.B. Englisch, Griechisch, Rumänisch), für andere sind wir ein - teilweise nur noch historisch belegter - germanischer Stamm, beispielsweise im Französischen, Spanischen und Portugiesischen die Alemannen, im Finnischen und Estnischen die Sachsen und in den slawischen Sprachen die Nemeter*. Das litauische Wort für Deutschland - Vokietija - ist möglicherweise sogar von den Wikingern inspiriert.

Nur wenige Sprachen haben ein Wort, das etymologisch tatsächlich unserem Wörtchen 'deutsch' entspricht. Neben Niederländisch (Duits) sind dies Dänisch und Norwegisch (tysk), Schwedisch (tyska), Isländisch (þýska) sowie Italienisch (tedesco).
Letzteres ist besonders interessant, repräsentiert es doch - leicht verfremdet - unsere eigene Sprach- und Nationalitätsbezeichnung aus einer sehr frühen Epoche. Wenn wir nämlich die Entwicklung des Wortes 'deutsch' einmal rückwärts verfolgen, ergibt sich folgendes Bild: deutsch <--- teutsch <--- teutisch <--- teutisk. Die älteste Form ist eng mit dem litauischen Wort 'tautas' (Volk) verwandt und hat noch die urgermanische Adjektivendung '-isk', wie sie sich bis heute in den nordgermanischen Sprachen erhalten hat (weshalb dort das einstige 'teutisk' auch einfach zu 'tysk' zusammengeschmolzen ist). Im ursprünglichen Sinn heißt 'deutsch' also 'völkisch', 'zum Volk gehörig' - doch in dieser Bedeutung wurde es verständlicherweise in keine andere Sprache übersetzt.


* Diese Theorie gilt jedoch als nicht endgültig gesichert, da die Nemeter um die Zeitenwende etwa 1'000 km vom damaligen Siedlungsgebiet der Slawen entfernt in der Gegend der heutigen Stadt Speyer am Rhein lebten. Die Namensgebung könnte somit wohl höchstens auf dem Umweg über römische Quellen erfolgt sein (eventuell aber auch infolge Abwanderung eines Teils der Nemeter nach Osten, vielleicht um der römischen Invasion auszuweichen, doch fehlen dafür bisher konkrete Anhaltspunkte). Daher hält sich recht zäh das Gerücht, dass die slawischen Bezeichnungen wie Německo, niemiecki, njemački u.ä. von dem slawischen Wort 'nemy' - stumm - abgleitet sind. Die Deutschen waren demnach - da des Slawischen nicht mächtig - "die Stummen".
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